die erste ausstellung eröffnete am 2. juli 2021, und sie war, ganz wörtlich, eine familienangelegenheit. gilberto botti — architekt, maler und vater des gründers von spazio — zeigte drei gemälde der isarlandschaft entlang des wegs vom zoologischen garten in die stadt: schornsteine und eine eisenbahnbrücke, die aus den bäumen aufsteigen wie die verlassenen bauten einer heroischen landschaft. elaine rosemary kaye hängte kleine leinwände von schwabing nord mitten im bau, und melissa mayergalbraith zeigte gemälde aus ihrer serie knotenpunkt, figuren zwischen dem figurativen und dem abstrakten. die ausstellung hieß einblicke und lief den ganzen sommer in einem fabrikhof, den noch niemand kannte.
gilberto botti, aus einblicke (2021) — die erste ausstellung.
im november jenes jahres kam joão bragança mit paper, light and shadow. karton hatte er als architekturstudent kennengelernt und in tokio wiederentdeckt, im studio von kengo kuma — „die japaner beherrschen handwerkstechniken von unvergleichlicher präzision.“ seine wandarbeiten hingen bis in den februar und gaben den ton vor für das, was der raum werden sollte: material ernster genommen als kategorie.
2022 — das jahr des glases, und der gäste
im mai 2022 füllte sich der hof mit glas. benedikt peirotén von studio peipei zeigte from the ashes — gefäße, geschmolzen aus der asche holzbefeuerter pizzaöfen, zerstoßenen muschelschalen aus fischrestaurants und sand. prosper riba vilardell, der als theglassapprentice arbeitet, blies nebenan seine serie quijote, und der münchner drechsler luis unützer zeigte schalen und skulpturen aus heimischer eiche. der juli brachte die munich jewellery week, mit evelyne prettis dna collection aus brasilien und den naturmuster-arbeiten der türkischen architektin handan yalki toyhan — und, an einem warmen abend, gürmet: türkischer wein, meze und kunst im hof. im oktober zeigte gianna zanafredi — biennale von venedig 2011, chicago biennial 2013 — materia memoria („die materie in meinen bildern ist leben, geschichte, staub, erde, wasser und landschaft“), gefolgt von collective subresults, einer zweitägigen gruppenausstellung von vier münchnerinnen, die in schmuck, grafik, fotografie und textil arbeiten. im dezember kam cyrcus aus mailand herauf — eine plattform für digitale fertigung direkt vom salone del mobile, zum ersten mal in deutschland zu sehen — und camilla richters lichtspiele trugen das jahr hinaus, mit dichroitischem glas, das den raum jede stunde neu strich.
cyrcus, von mailand in den hof — dezember 2022. ihre stücke sind bis heute in der sammlung.
2023 — der raum lernt neue formate
im märz 2023 feierte der raum seine eigene erweiterung mit luce, einem modularen lichtsystem, gelauncht vom büro giu design — methoden der industrie 4.0 treffen münchner handwerk, die eichensockel gedrechselt von luis unützer. nina kirstes erste einzelausstellung sehen folgte im juni, fotografien von phänomenen statt von objekten. der oktober brachte zwei architekten zusammen, die jahrelang an derselben fakultät gelehrt hatten — gilberto botti und michael gaenßler, juxtaposition: canvas / construction — ölgemälde neben fotografien ihrer eigenen bauten, gezeigt auf bildschirmen ohne eine einzige bildunterschrift. der november gehörte der akademie: die klasse von prof. karin kneffel von der münchner akademie der bildenden künste übernahm den raum mit einundzwanzig jungen künstlerinnen und künstlern — unter ihnen gregory borlein, dessen skulpturen heute in unserer sammlung sind. hanna klingseisens randbereiche dachte über textilien als grenzen des körpers nach; elisabeth biron von curland zeigte portraits.
und von mitte november bis kurz vor weihnachten lief das ambitionierteste format des raums: spazioweek, eine interdisziplinäre kollektivausstellung aus kunst, design, musik und essen — bei der sich interior designer um eine nische von fünfzehn quadratmetern bewerben konnten, um sie als ihre eigene zu gestalten. die nischen sind nie wirklich verschwunden. kreative freelancer arbeiten heute darin, und der für ende 2026 geplante members’ club wächst aus genau dieser idee.
2024 — das laute jahr
das letzte volle jahr begann im januar mit etwas, das niemand von einer designgalerie erwartet hätte: münchens erstem neujahrs-sake-festival, ausgerichtet mit miyu matsuzaki, miss sake japan 2021, die über die schönheit der vier jahreszeiten japans sprach und eine bar voller sake aus präfekturen ausschenkte, die die meisten gäste nicht auf einer karte hätten zeigen können. der februar brachte alessandro giorgis lucid dream. im april machte die la marzocco roadshow im raum halt — cuppings von suuapinga, ein latte-art-workshop mit dem deutschen meister daniel gerlach und ein podium zur münchner gastroszene zwischen tradition und innovation. zur creative business week im mai, unter dem thema how to co-create with nature, standen maria cepissakovas keramiken neben den blumenschalen von levak design studio und den geflammten kerzenhaltern von studio von schoenebeck — und die neue la marzocco coffee bar eröffnete mit platinglasierten tassen, die cepissakova für den anlass gedreht hatte.
die la marzocco roadshow, april 2024.
dann der juni: christine schuhbecks enter the void, die einzelausstellung, die unseren sommer definierte und bis heute die ausstellung ist, nach der zuerst gefragt wird. um sie herum war der hof selten still — die nunc. kaffeemaschinen-roadshow, alaises concept-store-abend mit palmwein aus togo, kora-musik aus dem senegal und dem ebenholzspiel adi aus benin, yoga und breathwork zwischen den kunstwerken mit taylor hass und marco miehling. und im august zog calima specialty coffee ein, für das pop-up, das dem raum am ende sein nächstes kapitel schrieb.
was geblieben ist
das öffentliche programm endete anfang 2025 — die schlange hatte gewonnen. aber fast jeder designer der heutigen sammlung kam durch diese vier jahre herein: hier gezeigt, hier gelauncht oder von jemandem vorgestellt, der hier gezeigt hatte. die nischen aus der spazioweek wurden schreibtische für freelancer. das archiv aller 37 events, mit fotografien und detailseiten, lebt hier — und die menschen dahinter stehen auf der designers-seite.
